Popkultur in Lernspielen – Der Klingonische Bürgerkrieg

Der Sternenflottenadmiral beugte sich über die Karte. Der Bürgerkrieg im benachbarten Klingonischen Reich könnte schneller zu Ende sein, als gedacht. Allerdings sehr zu Ungunsten der Föderation. Gowron, der stets für die Allianz beider Staaten eingetreten war, war von seinen Konkurrenten in die Enge manövriert worden. Seiner Flotte zu erlauben, in den Föderationsraum einzufliegen, könnte allerdings als direkter Eingriff in die inneren Angelegenheiten des Reiches interpretiert werden. Die Sternenflotte hatte momentan nicht die Ressourcen für einen Grenzkonflikt und die politische Führung gab keine klaren Anweisungen. Stattdessen drängten die Romulaner am anderen Ende des Grenzabschnitts auf die Durchführung gemeinsamer Operationen. Eine Vertiefung der gemeinsamen Beziehungen, die genau so gut ein Hinterhalt sein konnte. Eine Veränderung des Status quo kam nicht in Frage, nicht so lange keine Verstärkungen eingetroffen waren. Die Hard Power, die militärische Kraft, den Status quo zu erhalten, hatte der Admiral nicht. Er entschied sich, den Föderationsraum für die friedliche Passage klingonischer Schiffe zu öffnen. Etwas anderes blieb ihm kaum übrig. Das würde Gowron im Rennen halten und die eigenen Ressourcen schonen. Zufrieden lehnt sich der Admiral zurück, schaut vom Lagebild nach oben, in die hämisch grinsenden Gesichter der konkurrierenden Mächte.

Die Szene spielte sich auf dem 33. Chaos Communication Congress (33C3) ab. Dort habe ich in der Tomorrowland Assembly auch die aktuelle Version des Spiels „Klingon War of Succession“ demonstriert. Das Szenario basiert auf zwei Folgen der Serie Star Trek – Das nächste Jahrhundert. Die Spieler schlüpfen in die Rollen der Entscheidungsträger aller beteiligten Mächte. Ein bis zwei Berater sitzen dabei und greifen ein, wenn die Annahmen und Handlungsideen zu extrem werden.

Warum machen wir den Quatsch? Oder anders: Warum sollten sich professionelle Entscheidungsträger oder Studierende mit einem Thema beschäftigen, das auf Fanconventions voller Nerds zu Hause ist? Die Antwort liegt in den Eigenheiten von Spielen und fiktionalen Welten, die sich unglaublich gut ergänzen können.

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